Voraussetzung für die Ausübung des Anwaltsberufes ist der Abschluss des Rechtsstudiums an einer Universität sowie der Erwerb des Anwaltpatentes. Die Anwaltsausbildung ist kantonal geregelt. Sie umfasst ein mindestens einjähriges Praktikum in einer Anwaltskanzlei und beim Gericht. Nach bestandener Anwaltsprüfung setzt die Berufsausübung als beratender oder als vor Gericht tätiger Anwalt voraus, dass der Anwalt in ein Anwaltsregister eingetragen wird. Dieses Anwaltsregister wird kantonal geführt (siehe z.B. Kanton SO: www.so.ch/staatskanzlei/logistik-und-justiz/anwaltskammer).

 

Die Eintragung ins Anwaltsregister setzt voraus:

  • Keine strafrechtlichen Verurteilungen,
  • keine Verlustscheine,
  • Unabhängigkeit.

 

Die Anwältin/der Anwalt, welcher in einem Anwaltsregister eingetragen ist, kann den Beruf auf dem Gebiet der gesamten Schweiz uneingeschränkt ausüben.

 

Für die eingetragenen Anwälte gelten gesetzliche Berufsregeln (www.admin.ch/ch/d/sr/9/935.6/.de/pdf).

 

So haben die Anwältinnen und Anwälte ihren Beruf sorgfältig und gewissenhaft auszuüben, sie üben ihren Beruf unabhängig in eigenem Namen und auf eigene Verantwortung aus, sie vermeiden jeden Konflikt zwischen den Interessen ihrer Klientschaft und den Personen, mit denen sie geschäftlich oder privat in Beziehung stehen, sie dürfen keine Honorarvereinbarung abschliessen, wonach das Honorar in Form einer Beteiligung am Prozessgewinn berechnet wird, sie haben eine Berufshaftpflichtversicherung im Umfang von mindestens CHF 1‘000‘000.00 abzuschliessen. Zu guter Letzt sind sie verpflichtet die Klientschaft bei Übernahme des Mandates über die Grundsätze ihrer Rechnungstellung aufzuklären und die Klientschaft periodisch oder auf Verlangen über die Höhe des geschuldeten Honorars zu informieren.

 

Wichtig ist zudem, dass die Anwältinnen und Anwälte zeitlich unbegrenzt und gegenüber jedermann dem Berufsgeheimnis unterstehen und zwar über alles, was ihnen infolge ihres Berufes von ihrer Klientschaft anvertraut worden ist. Über diese Verpflichtungen der Anwältin und Anwälte wacht die kantonale Aufsichtsbehörde, im Kanton Solothurn die Anwaltskammer. Verstösse gegen diese Berufspflichten werden von der Anwaltskammer geahndet, die Disziplinarmassnahmen können von einer Verwarnung über eine Busse bis zur Einstellung im Beruf führen. Für Honorarfragen ist grundsätzlich nicht die Anwaltskammer zuständig. Dies selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass mit den Honorarfragen nicht auch eine Verletzung einer Berufsregel verbunden ist.

 

Zur Beilegung von Honorarstreitigkeiten bestehen in allen Kantonen Kommissionen, welche zur Überprüfung von Honorarstreitigkeiten angerufen werden können. Diese Kommissionen (sogenannte Standeskommissionen) sind jedoch nur zuständig für Anwältinnen und Anwälte, welche Mitglieder der jeweiligen Anwaltsverbände sind (www.solav.ch, Rubrik „der Solav“ – „Standeskommission“). Zum eigenen Schutz empfiehlt es sich bei der Auswahl ihrer Anwältin bzw. ihres Anwaltes darauf zu achten, dass diese bzw. dieser im Anwaltsregister eingetragen ist und zudem Mitglied eines kantonalen Anwaltsverbandes ist. Die Mitglieder der kantonalen Verbände sind im Internet verzeichnet (unter: www.sav-fsa.ch/de/anwaltssuche).

 

Dr. Niklaus Studer, Rechtsanwalt und Notar