Insbesondere im Erbrecht stellt unsere Rechtsordnung umfangreiche Formvorschriften auf. Am häufigsten sind Formvorschriftsverletzungen des ZGB bei eigenhändigen Testamenten anzutreffen.

Gemäss Art. 505 Abs. 1 ZGB ist das eigenhändige Testament vom Erblasser von Anfang bis zu Ende mit Einschluss der Angabe von Jahr, Monat und Tag der Errichtung von Hand niederzuschreiben sowie mit seiner Unterschrift zu versehen.

Das äussere Erscheinungsbild des Testaments ist gesetzlich nicht definiert, und es ist auch lediglich zu fordern, dass sich das Testament anhand seines Inhalts als solches qualifizieren lässt. Daher ist es auch zulässig, das Testament ganz oder teilweise als Brief an die Erben oder an Dritte, z.B. seinen Anwalt zu verfassen (vgl. BGE 131 III 601, E. 3.1).

Das eigenhändige Verfassen des Testaments bietet Gewähr dafür, dass das Testament dem Verfasser zugeordnet werden kann. Von der Eigenhändigkeit muss der gesamte relevante Text erfasst sein, welcher aus sich heraus verständlich sein muss. Sind Teile des Testaments nicht eigenhändig, sondern etwa in Maschinenschrift geschrieben, so sind diese Passagen als nicht vorhanden zu betrachten. Ist das ganze Testament in Maschinenschrift abgefasst, so besteht gar kein Testament bzw. ist es nichtig (vgl. BGer, 5A_131/2015, E. 4).

Art. 505 Abs. 1 ZGB verlangt beim eigenhändigen Testament die Angabe von Jahr, Monat und Tag der Errichtung. Die Datumsangabe dient dazu, die Verfügungsfähigkeit des Erblassers einzuschätzen sowie bei mehreren letztwilligen Verfügungen die chronologische Reihenfolge sicherzustellen. Seit dem 1. Januar 1996 führt die fehlende Datierung aber nicht mehr in jedem Fall zur Ungültigkeit des Testaments, sondern nur dann, wenn „sich die erforderlichen zeitlichen Angaben nicht auf andere Weise feststellen lassen und das Datum für die Beurteilung der Verfügungsfähigkeit, der Reihenfolge mehrerer Verfügungen oder einer anderen, die Gültigkeit der Verfügung betreffenden Frage notwendig ist“ (Art. 520a ZGB).

Bei der Stellung der Unterschrift ist zu fordern, dass aus dieser der verfasste Text gedeckt ist. Infolge der Strenge der höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 135 III 206, E. 3) ist darauf zu achten, dass sie unter dem Text hingeschrieben wird. Die Unterschrift lediglich auf dem das Testament beinhaltenden Briefumschlag hinzuzufügen, reicht nur aus, wenn eine genügende Verbindung zwischen Testament und Umschlag besteht (vgl. BGE 51 II 370).

Dem eigenhändigen Testament steht das öffentliche Testament gegenüber, welches durch einen öffentlichen Notar beurkundet wird. Die Abfassung des Testaments durch einen Notar (inkl. Unterzeichnung im Beisein von zwei Zeugen) ist zwar aufwändiger, doch steht diesem Mehraufwand die Gewissheit gegenüber, dass das öffentliche Testament rechtsgültig ist.

Tobias Morandi, Rechtsanwalt und Notar