Arbeitszeugnisse sind in der Schweiz von grosser Bedeutung. Es gilt der Grundsatz: Wahrheit vor Wohlwollen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung haftet der Aussteller eines Arbeitszeugnisses für die Vollständigkeit und Richtigkeit der im Zeugnis gemachten Angaben. Daraus folgt, dass die Qualität der Schweizer Arbeitszeugnisse überdurchschnittlich hoch ist und dadurch indirekt der Wirtschaftsstandort Schweiz gefördert wird.

Gemäss Art. 330a OR ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer jederzeit auf Verlangen ein Arbeitszeugnis auszustellen. Dies sowohl während dem Arbeitsverhältnis als auch nach dessen Beendigung. Der Arbeitnehmer kann zwischen einem qualifizierten Zeugnis (Zwischen- oder Schlusszeugnis) und einem einfachen Zeugnis (sog. Arbeitsbestätigung) wählen.

Das Arbeitszeugnis ist schriftlich auszustellen und seine Herkunft muss deutlich erkennbar sein (Briefpapier des Unternehmens). Es ist zu datieren und muss rechtsgültig – das heisst durch einen Vertretungsberechtigten – unterzeichnet werden. Das Arbeitszeugnis ist in derjenigen Sprache abzufassen, die vorwiegend in der Region, in welcher die Arbeitsleistung erbracht wurde, verwendet wird.

Das Arbeitszeugnis hat folgenden Mindestinhalt aufzuweisen:

a) Personalien des Arbeitnehmers

b) Beschreibung der Tätigkeit

c) Vertragsdauer

d) Arbeitsort

e) Leistung und Verhalten

Folgende Zusätze oder ergänzende Dokumentationen kann der Arbeitnehmer fordern:

f) Spezielle Einsätze und Funktionen

g) Angaben zur Vertragsbeendigung.

Für den Arbeitgeber kann es eine grosse Herausforderung darstellen, das Arbeitszeugnis einerseits wahrheitsgetreu und andererseits wohlwollend abzufassen. Gerade wenn der Arbeitgeber mit den Leistungen oder dem Verhalten des Arbeitnehmers unzufrieden war, steht der Zeugnisaussteller vor einer schwierigen Formulierungsaufgabe.

Für weitere Auskünfte steht Ihnen unsere Kanzlei jederzeit und gerne zur Verfügung.

Tobias Morandi, Rechtsanwalt und Notar