In Architektur- und Werkverträgen ist die Bausumme zu beziffern. Für die Umschreibung der Kosten werden verschiedene Begriffe wie Kostenschätzung, Kostenvoranschlag oder Kostendach verwendet. Diese Begriffe sind nicht gleichwertig; sie haben je ihre eigene Bedeutung mit unterschiedlichen Toleranzen zur Kostenüberschreitung. Beim Kostenvoranschlag ist gemäss SIA-Ordnung grundsätzlich eine Toleranz von +/- 10 % erlaubt.

In einem Entscheid hatte aber das Bundesgericht (BGer 4A_210/2015) entgegen dem Wortlaut „Kostenvoranschlag“ im Werkvertrag eine Schadenersatzklage eines Bauherrn gegen seinen Architekten wegen Kostenüberschreitung gutgeheissen. Der Bauherr begründete seine Klage damit, dass er dem Architekten mehrfach erklärt habe, der überarbeitete und mehrfach diskutierte Kostenvoranschlag stelle ein absolutes Kostendach dar. Das Bundesgericht schützte diese Annahme des Kostendachs bei mehrfach diskutierten und bereinigten Kostenvoranschlägen und erkannte den Architekten für jegliche Überschreitung des Kostendachs als schadenersatzpflichtig.

Um Kostenstreitigkeiten beim Bau zu vermeiden, sind die Kosten mit den vom Bauherrn allenfalls zu übernehmenden Kostenüberschreitungen unmissverständlich in den Architektur- oder Werkverträgen zu beschreiben. Vom Architekten und Planer wird eine strenge Kostenkontrolle erwartet. Eine vorgängige Prüfung des Architektur- oder Werkvertrags durch ihren Anwalt schützt vor nachträglichen Streitigkeiten.

Gabriela Mathys, Rechtsanwältin und Notarin